Kaddor, Griese

Kerstin Griese trifft … Lamya Kaddor

Lamya Kaddor engagiert sich für ein liberales Islamverständnis und eine pluralistische Gesellschaft. Bei „Kerstin Griese trifft …“ in Heiligenhaus erzählte sie über ihr Leben, ihre Arbeit als Religionslehrerin und von ihren Forschungen zur Islamfeindlichkeit.

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Es gebe einen Anstieg von Vorurteilen und von Diskriminierung, berichtete Kaddor aus der Vorurteilsforschung. Diese richten sich ganz besonders gegen den Islam. Aber auch Antiziganismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Antisemitismus hätten zugenommen. „Man darf Islamfeindlichkeit nicht ohne Islamismus denken.“ Die Islamisten würden behaupten, dass die Deutschen alle Muslime hassen und der Islamhasser habe immer den Salafisten vor Augen. „Wenn ich die Islamfeindlichkeit bekämpfen möchte, muss ich den Islamismus bekämpfen“, ist Lamya Kaddor überzeugt.

Als Religionslehrerin ist Kaddor immer wichtig gewesen, möglichst unterschiedliche Angebote zu machen. „Ich habe einen Lehrplan“, beschrieb sie, dass es nicht um ihre persönlichen Vorlieben gehe. Aber es gebe nun einmal unterschiedliche Auslegungen im Islam. Kerstin Griese ergänzte, dass es ein großer Fortschritt sei, dass es den islamischen Unterrichtsunterricht gleichberechtigt an den Schulen gibt. „Kinder haben ein Recht auf religiöse Bildung.“ Man könne Konflikten leichter entgegenwirken, wenn man seinen eigenen Standpunkt kenne.

Kaddor vertritt eine Vermittlerposition. „Wenn ich bete, dann bedecke ich mein Haupthaar. Das ist der Ritus.“ Auf der Straße laufe sie ohne Kopftuch. „Bevor mich die Rechten bedrohten, bedrohten mich die Islamisten. Lange Zeit war ich die Vorzeigemuslimin. Doch nach dem Buch ‚Die Zerreißprobe‘ war ich die verkappte Islamistin“, erzählte die an der Universität Duisburg-Essen forschende Islamwissenschaftlerin von dem Hass, der ihr von Rechtsaußen entgegenschlägt.

Die politischen Interessen der Islamverbände hätten sie abgeschreckt. „Der Islam ist herkunfts- und nationenübergreifend“, misstraut Lamya Kaddor den Verbänden, sie sich beispielsweise am türkischen Staat orientieren. Kaddor hat deshalb den Liberal-Islamischen Bund als Gegenpol gegründet. „Wir sortieren Homosexuelle nicht aus, und der Koran hat einen feministischen Anspruch. Man muss das Weiterentfalten, was viele Männer anders sehen“, erläuterte sie die liberalen Vorstellungen.

Kerstin Griese plädierte dafür, dass auch der Islam eine gleichberechtigte Rolle in Deutschland spielt. „Die Rechte, die Kirchen haben, müssen für alle Religionsgemeinschaften gelten“, betonte Griese, „das muss auch für Muslime gelten.“

Lamya Kaddor wusste das Publikum in Heiligenhaus gut zu unterhalten, wenn sie von ihren Töchtern erzählt, die einen jüdischen Kindergarten in Duisburg besucht haben und heute im katholischen Religionsuntericht sind, und von den Einwänden der syrischen Mutter und der deutschen Schwiegermutter.

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