Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sprach bei „Kerstin Griese trifft …“ über die zunehmenden Anfeindungen, denen Menschen ausgesetzt sind, die sich öffentlich für das Gemeinwohl einsetzen. Gerade im digitalen Raum gebe es eine zunehmende Verrohung, erzählten Fehrs und Sozialstaatssekretärin Griese von ihren Erfahrungen.
Kerstin Griese berichtete, dass ihr Social-Media-Gruß zum muslimischen Opferfest in den vergangenen Wochen mehr als 3000 Hasskommentare erhalten habe. Der Antisemitismus und der antimuslimische Rassismus nehme in Deutschland zu, sagten Griese und Fehrs. Es gebe regelrechte Kampagnen, den muslimischen Glauben mit „Islamismus“ gleichzusetzen, um religiöse Vielfalt zu delegitimieren, so Fehrs. „Es braucht unseren Mut, weiterhin zum Opferfest zu gratulieren“, betonte die oberste Repräsentantin der deutschen Protestanten.
„Mit der Bibel kann man keine Politik machen, aber ohne sie auch nicht, hat Johannes Rau gesagt“, betonte Griese. Sie gehört sowohl der Bundesregierung als auch dem Rat der EKD an. Für Griese ist klar: Christliche Werte sind kein Parteiprogramm, sondern ein moralischer Kompass, der über politische Lagergrenzen hinweg wirkt.
Es gebe Themen, bei denen fast nur noch die Kirchen Partei ergriffen – für Menschen mit Behinderungen oder für Flüchtlinge. Bei der Bundestagsdebatte zum Familiennachzug seien ihr die Tränen gekommen, berichtete Griese. „Warum muss man so darüber reden?“, kritisierte sie den Ton der Debatte. „Warum schaut man nicht auf die Nöte der Familien?“ Fehrs fügte hinzu, dass es derzeit eine Partei gebe, deren Haltung giftig sei und die christlichen Werte untergrabe. Sie machte deutlich, dass christliche Werte nicht mit völkischem Nationalismus vereinbar seien.
Die Bischöfin beobachtet eine große Verunsicherung, ein Gefühl der Entfremdung, der Einsamkeit, der Sehnsucht nach einer Gemeinschaft, die es nicht mehr gibt. Fehrs und Griese betonten die Notwendigkeit, analoge Begegnungsräume zu schaffen, in denen ein echter Austausch stattfinden könne.
Ein weiteres Thema war die sexualisierte kirchlichen in Einrichtungen. Fehrs, die viel für die Aufklärung getan hat, sagte, die Täter seien das eine, das andere sei, als Institution nichts getan zu haben. „Wir müssen uns nicht verdächtigen. Aber wir müssen Leid verhindern“. Kerstin Griese betonte, dass die Gesellschaft insgesamt sensibler werden müsse. „Sexualisierte Gewalt gibt es auch im Sport oder vor allem in Familien.“ Hier müssten auch die Gesetze nachgebessert werden. „Der Schutz des Menschen muss im Mittelpunkt stehen“, so Griese.




