âWer meint, die AfD mit der Nachahmung ihrer Positionen klein kriegen zu können, tĂ€uscht sichâ, sagte der ehemalige Landesjustizminister Thomas Kutschaty bei der Veranstaltung âKerstin Griese trifft âŠâ im BĂŒrgerhaus Ratingen. âSteht die Brandmauer noch ĂŒberall in der demokratischen Familie?â fragte er.
Es sei ein groĂes Problem, dass die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler der AfD merken, dass ihre Stimme âwirkmĂ€chtigâ ist, meinte der Landtagsabgeordnete Kutschaty. Kerstin Griese, SozialstaatssekretĂ€rin und Bundestagsabgeordnete, sprach sich deshalb dafĂŒr aus, der AfD eine bessere Politik entgegenzustellen. âWir mĂŒssen die Menschen davon ĂŒberzeugen, dass die AfD keine gute Zukunft fĂŒr sie bedeutet.â Gleichzeitig mĂŒsse auch ein Verbot dieser Partei in den Blick genommen werden. âDenn wir haben aus der Geschichte gelerntâ, sagte Griese und wies darauf hin, dass die VerfassungsvĂ€ter und -mĂŒtter mit guten GrĂŒnden die Möglichkeit eines Parteienverbots im Grundgesetz verankert haben.
Thomas Kutschaty fasste die wichtigsten Erkenntnisse des Verfassungsschutzes in knappen Worten zusammen: âDie AfD verstöĂt gegen die MenschenwĂŒrde, gegen das Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip und will die Demokratie aushöhlen. Es ist menschenverachtend, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte unter Generalverdacht zu stellen. Das ist nicht nur widerwĂ€rtig, sondern auch verfassungsfeindlich.â

Ein vollbesetztes BĂŒrgerhaus: das Publikum diskutiert engagiert ĂŒber die von der AfD ausgehende Bedrohung der Demokratie.
Griese sagte, dass sogar BundesprĂ€sident Steinmeier einen hĂ€rteren juristischen Kampf gegen den Rechtsextremismus gefordert und das Parteienverbot als Ultima Ratio bezeichnet habe. âEr hat die AfD gar nicht genannt, aber sie hat sich angesprochen gefĂŒhlt.â
âDie AfD hat sich im Parteiensystem verfestigtâ, meinte Kutschaty. Und Artikel 21 des Grundgesetzes sei nicht umsonst da. Reichen die vorliegenden Fakten fĂŒr ein Verbot aus?â, fragte er. âDer Zeitpunkt ist gekommen, dem Bundesverfassungsgericht die Chance zu geben, das zu ĂŒberprĂŒfen.â Einem Parteienverbot mĂŒssten sechs von acht Richterinnen und Richtern zustimmen. âDa reicht keine einfache Mehrheit.â Die Folge wĂ€re, so die EinschĂ€tzung der meisten Juristen, dass der Block mit den 151 AfD-Bundestagsabgeordneten leer bliebe. âDas gilt auch fĂŒr den Landtag und den Ratinger Stadtrat.â
Von der scheinbar bequemeren Variante, der AfD die Parteienfinanzierung zu entziehen, statt sie zu verbieten, riet Thomas Kutschaty ab. âDas wĂŒrde die AfD nĂ€mlich nicht besonders hart treffen.â Denn die Partei wĂŒrde dann vermutlich noch viel mehr Spenden erhalten als jetzt.
âDen Erhalt der Demokratie, den Schutz vor Faschismus, das können wir nur gemeinsam schaffenâ, appellierte Kutschaty an das Publikum. âWir befinden uns in einer Phase, in der sich ganz normale GesprĂ€che vom Ton her verschĂ€rft haben. FrĂŒher haben die Leute gedacht, dass sie die AfD wĂ€hlen. Und jetzt sagen sie das.â Kutschaty und Griese sorgen sich, dass die Gesellschaft immer mehr verroht. âDeshalb ist es wichtig, dass wir nicht nur in den Parlamenten daran arbeiten. Wenn es um Menschenfeindlichkeit geht, mĂŒssen wir alle Flagge zeigenâ, so Kutschaty.



