Laing, Griese

Kerstin Griese trifft … Lorenz Narku Laing

Lorenz Narku Laing, Professor für Rassismusforschung, war zu Gast bei „Kerstin Griese trifft …“ in der Ratinger Friedenskirche. Im Gespräch ging es um Diskriminierung, soziale Unsicherheit und den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Laing berichtete von seiner eigenen Biografie. Er wurde in Mainz am Rhein geboren, sein Vater stammt aus Jamaika, seine Mutter aus Ghana. Eine evangelische Gemeinde habe seine Einbürgerung finanziert. Dadurch habe er in der Football-Nationalmannschaft spielen können. Sein Studium sei nur durch BAföG möglich gewesen, auch seinen ersten Job habe er durch die Kirche bekommen, erzählte er von seinem Weg von Hartz IV zur Professur.

In der Kirche

Mehr als 70 Leute waren in der Friedenskirche, um zuzuhören und mitzudiskutieren.

Kerstin Griese fragte Lorenz Narku Laing nach den Gründen und Folgen des AfD-Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt, das erhebliche Auswirkungen auf die demokratische Gesellschaft hat. Laing verwies auf die vielen syrischen Menschen, die insbesondere im ländlichen Raum das Gesundheitssystem mit aufrechterhielten. Den Behauptungen vieler AfD-Wähler, dass Ausländerinnen und Ausländer „uns auf der Tasche“ lägen oder Arbeitsplätze wegnähmen, widersprach er deutlich: „Sie hassen die Menschen und suchen dann die Logik, warum sie sie hassen.“

Laing

Lorenz Narku Laing ist 34 Jahre alt und Professor an der evangelischen Hochschule in Bochum.

Die AfD profitiere nach seiner Einschätzung von einem „Verbitterungsmilieu“. Insbesondere Männer mit gebrochenen Berufsbiografien, Scheidungen, Ausgrenzungserfahrungen, Einsamkeit und Bildungsdefiziten seien betroffen. Auf solchen Erfahrungen wachse und gedeihe die AfD, sagte Laing.

Früher hätten große weiße Männer vielfach das Gefühl gehabt, alles werden zu können – sie seien überall gesehen worden und hätten dazugehört, erzählte der Rassismusforscher. Mit den Fortschritten der Gleichberechtigung hätten auch Frauen, schwarze Menschen und Menschen mit Wurzeln etwa in der Türkei mehr Chancen erhalten. Dieser Prozess könne bei manchen Männern den Eindruck erwecken, es sei für sie schwieriger geworden. Laing stellte die Frage: „Wie schaffen wir es, diesen Männern wieder Gemeinschaft zu bieten?“

In der Friedenskirche

Pfarrer Thomas Gerhold freut sich über die lebhafte Diskussion in „seiner“ Kirche.

Griese betonte, Politik müsse empathischer sein und die Sorgen der Menschen stärker respektieren – etwa angesichts hoher Kosten für Benzin, Lebensmittel und Wohnungen. Menschen „altväterlich“ Faulheit zu unterstellen, dafür habe sie kein Verständnis. „Wir müssen lernen, die Gemeinsamkeiten zu betonen. Die Bürger wollen, dass wir uns nicht ständig streiten.“

Auf eine Frage aus dem Publikum nach einem möglichen AfD-Verbotsverfahren antwortete Laing, Deutschland lebe in einem „hocheffizienten moralischen Rechtsstaat“. Steuerhinterziehung werde schließlich nicht deshalb nicht verfolgt, weil es viele Menschen täten. Dieser Maßstab müsse auch bei einem möglichen Parteiverbotsverfahren gelten. Laing erklärte mit Blick auf die AfD: „Von Artikel 3 des Grundgesetzes halten die gar nichts“, denn dieser garantiere die Gleichheit aller Menschen. Auch die Unabhängigkeit von Justiz und Rundfunk sowie die Wissenschaftsfreiheit respektiere die AfD nicht. „Über die Kunstfreiheit wollen wir gar nicht reden“, sagte er. Griese ergänzte, dass die CDU/CSU ein solches Prüfungsverfahren bislang nicht wolle. Möglicherweise gebe es aber ein Umdenken, sagte sie und verwies dabei auf Äußerungen von Ministerpräsident Hendrik Wüst.

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