Unglaublich bemüht, gute Kompromisse zu finden

Praktikumsbericht von Lilli Mangat

Dienstagmorgen 9 Uhr erster Praktikumstag und es begann direkt mit einem politischen Paukenschlag: der Kanzlerwahl – ein historischer Moment, der mit viel Spannung und unerwartetem Ausgang verlief. Die Wahl kam erst im zweiten Wahlgang zustande, was für reichlich Gesprächsstoff und ein spürbares politisches Vibrieren im ganzen Bundestag sorgte.

2 Personen

Ich war mittendrin, noch bevor ich richtig angekommen war – ein Einstieg, den ich so schnell nicht vergessen werde. Ich – Lilli Mangat, 23 Jahre, aus Hamburg – studiere im „normalen Leben“ Internationale Not- und Katastrophenhilfe und durfte im Mai 2025 für drei Wochen in Kerstin Grieses Arbeit im Bundestag hineinschnuppern und das Labyrinth der Bundestagsliegenschaften kennenlernen.

Schon am ersten Tag spürte ich, dass Politik nicht immer nach Plan verläuft – Abgeordnete müssen eben auch mal die Geschäftsordnung googlen, und sich alle halbe Stunde auf eine neue Tages- und Wochenplanung einstellen. Neben all den Besonderheiten rund um die ersten Wochen der neuen Legislaturperiode, wie konstituierende Sitzungen der AGs und Ausschüsse sowie neue Ämterbesetzungen, hatte ich aber natürlich auch Gelegenheit den normalen Alltag in einem Abgeordnetenbüro kennenzulernen. Besonders beeindruckt hat mich die Ernsthaftigkeit, mit der BürgerInnenanfragen behandelt werden – nichts wird hier einfach „abgefertigt“, sondern jedes Anliegen wird ausführlich geprüft und individuell beantwortet.

Zu den Highlights zählten vor allem die themenbezogenen Veranstaltungen zu denen ich Kerstin Griese in ihrer Funktion als Abgeordnete, und auch als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, begleiten durfte. Dazu gehörten z.B. die von ihrem Ministerium veranstalteten Inklusionstage, ein parlamentarischer Abend bei der AWO und ein Empfang anlässlich 60 Jahre deutsch-israelischer diplomatischer Beziehungen.

Besonders bereichernd war dabei für mich, dass ich im Rahmen des Praktikums auch immer wieder Themen aus meinem Studien- und Interessensbereich wiederfinden konnte, und an entsprechenden Veranstaltungen auch unabhängig teilnehmen durfte. Bei den Inklusionstagen z.B. konnte ich an einem Workshop zum Thema Inklusion im Bevölkerungsschutz teilnehmen und habe hier auch direkt den spannenden Input mit in meine Werkstudenten-Tätigkeit in der Katastrophenschutz-Branche weitergetragen. Ebenso spannend war eine Diskussionsrunde zur geschlechtergerechten Humanitären Hilfe, bei der es um konkrete Forderungen und Perspektiven von PraxisvertreterInnen ging. Auch in den Bereichen Sozialpolitik und Israel und Palästina, Grieses Kernthemen, konnte ich durch ausgiebige Recherchen, Presseschau und Gespräche meine Erkenntnisse deutlich vertiefen und bin beeindruckt mit welcher Differenziertheit und Sensibilität sie und viele ihrer Kolleginnen und Kollegen beim aktuellen Thema Israel und Palästina agieren.

Rückblickend nehme ich viele Einsichten mit. Am spannendsten fand ich dabei zu verstehen, wie in der Praxis Interessensvertretung von Verbänden und Lobbyismus (ich nutze dieses Wort ohne jegliche negative Konnotation) funktioniert. Die wichtigste Erkenntnis für mich ist aber, dass hinter den großen Namen, den rhetorisch starken Parlamentsreden und teils komplizierten Prozessen vor allem Menschen stehen, die sich auf ganz normalem Wege informieren und eine Meinung bilden, dabei auf gute Mitarbeitende angewiesen sind und vor allem unglaublich bemüht sind, gute Kompromisse zu finden.