Lage der SPD ist ziemlich schwierig, aber auch interessant

Ein Praktikumsbericht von Jonathan Weduwen

Nach zwei Jahren Politik-Leistungskurs und längerem großen Interesse am politischen Geschehen wollte ich die freie Zeit nach dem Abi nutzen, um einen besseren Einblick in die Politik zu bekommen. Dafür kann ich mir keine bessere Möglichkeit vorstellen, als das vierwöchige Praktikum im Büro von Kerstin Griese, das ich im Januar absolvierte.

Kerstin Griese MdB und Jonathan Weduwen (18).

Meine Erwartungen waren groß, da mein Praktikum zeitgleich mit der Aufnahme der Sondierungsgespräche zwischen SPD und der Union begann und ich hoffte, dass ich somit in einer solch ereignisreichen Zeit direkt am Ort des Geschehens sitzen würde. Diese Erwartungen, das kann ich vorwegnehmen, haben sich mehr als erfüllt. Mein Tätigkeitsfeld war sehr verschieden: Zum einen begleitete ich Kerstin Griese zu Veranstaltungen, wie zum Beispiel zur Arbeitsgemeinschaft „Zukunft der Wohlfahrtspflege“ in der Friedrich-Ebert-Stiftung, oder auch zu einer Veranstaltung der Initiative 27. Januar, die anlässlich des Holocaust-Gedenktages stattfand. Zudem nahm ich an Ausschusssitzungen teil, aber auch an Sitzungen der SPD-internen Arbeitsgemeinschaft Arbeit und Soziales, oder an einer Anhörung bezüglich des Familiennachzuges. Ein Höhepunkt war sicherlich der Besuch des Plenums, wo ich unter anderem einer Debatte zur Bekämpfung von Antisemitismus zuhörte, bei der sich auch Kerstin unter den Rednern wiederfand.

Spannend war auch, das Verhalten der AfD zu beobachten, die unter anderem versuchte, mit zwei Hammelsprüngen dem Plenum die Beschlussfähigkeit zu entziehen, als „Rache“ dafür, dass ihr Kandidat Roman Reusch vom Bundestag nicht ins Parlamentarische Kontrollgremium gewählt wurde.
Auch wenn ich gut und gerne auf die AfD im Bundestag verzichten kann, war es dennoch sehr interessant hautnah mitzuerleben, welche Absichten die AfD im Bundestag verfolgt und wie sich die Arbeit im Bundestag durch ihre Präsenz und ihr Mitwirken verändert hat.

Zum anderen verbrachte ich viel Zeit im Büro, an meinem eigenen Schreibtisch, wo ich an der alltäglichen Arbeit teilnahm. Dazu gehörten unter anderem Rechercheaufgaben, bei denen ich mich mit der Vorbereitung von Themen befasste, die dann zur Grundlage einer Rede, einer Stellungnahme oder auch einer Diskussion dienten.

Das gab mir die Gelegenheit, mein Wissen über ganz unterschiedliche Themen zu erweitern, wie zum Beispiel der Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen, der Entwicklung von regionalen Disparitäten, oder auch ganz anderen Themen, wie zum Beispiel mit der neuen gentechnischen Methode von „CRISPR/CAS9“. Des Weiteren übte ich mich in der Beantwortung von Emails/Bürgeranfragen, oder übernahm alltägliche Büroaufgaben wie zum Beispiel das Öffnen der Post.

Besonders interessant war aber, dass sowohl die Sondierungsgespräche, der SPD-Parteitag in Bonn, sowie auch die anschließenden Koalitionsverhandlungen während meines Praktikums stattfanden, wodurch ich einen Blick hinter die Kulissen dieser Ereignisse bekommen konnte. Die SPD befindet sich gerade in einer ziemlich schwierigen, aber auch ziemlich interessanten Lage und dass ich genau in dieser Zeit als Praktikant in der Mitte des Geschehens sein durfte, ist für mich eine große Ehre. Durch Besuche in Arbeitsgruppen, aber auch im persönlichen Gespräch, konnte ich aus erster Hand erfahren, wie die Ergebnisse der Sondierungen und Koalitionsverhandlungen zu bewerten sind, was mir auch eine neue Sichtweise auf die Debatte gab, ob die SPD eine „Große Koalition“ eingehen soll oder nicht.

Die vier Wochen im Paul-Löbe-Haus habe ich sehr genossen, sie waren äußerst interessant und lehrreich, und ich bin Kerstin Griese und ihrem Team sehr dankbar, dass sie mir diesen spannenden Einblick ermöglicht haben, mich so aktiv in deren Arbeit eingebunden haben und mein Interesse an Politik definitiv erweitert haben.